Warum „schlucken“ Moore Treibhausgase? Wieso können sie den Klimawandel trotzdem anheizen? Und was haben Torf und Essiggurkerl gemeinsam? 10 Dinge, die du schon immer über Moore wissen wolltest.

1Lebensraum-Raritäten: Moore haben Seltenheitswert

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Wasenmoos, Salzburg

Moore: Ein Lebensraum im Grenzbereich zwischen Land und Wasser. Faszinierend und urtümlich. Moore findet man auf der ganzen Welt – vom hohen Norden bis in die Tropen, vom Tiefland bis hoch hinauf in die Berge. Sie bedecken weltweit etwa 3 % der Landfläche (4 Millionen km2).

Die größten Moorflächen gibt es in wenig besiedelten Gebieten, vor allem in der Taiga der Nordhalbkugel (Skandinavien, Russland, Kanada). Im Großteil der Erde sind Moore jedoch selten geworden. Österreichs (Hoch-)Moore etwa machen nur mehr 0,3 % der Staatsfläche aus (220 km2).

Hier kannst du Österreichs Hochmoore entdecken >>

2Moor-Gefährdung: Sag zum Abschied leise Servus?

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Moor

Den Mooren ging’s also schon einmal besser. Viele sind heute komplett verschwunden – in Österreich vermutlich 90 % der ursprünglichen Moorfläche. Und die verbleibenden Moore schwächeln: Zu zwei Dritteln sind sie ökologisch stark beeinträchtigt. Moore zählen somit zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen. Und zwar weltweit.

Die Ursachen: Moore wurden und werden entwässert, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen. Mit Sümpfen und nassen Wiesen kann kein Bauer etwas anfangen. Torfabbau, Beweidung oder Tourismus setzen den Mooren ebenso zu. Und zunehmend auch die Erderwärmung: Laut der Studie „Moore im Klimawandel“ könnten bis Mitte dieses Jahrhunderts rund 85 % der etwa 600 Hochmoore Österreichs in Bedrängnis kommen. Vor allem durch Hitze und Trockenheit.

3Klimaschutz-Weltmeister: Moore „schlucken“ Treibhausgase

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Wanderer & Moor am Gerzkopf (Salzburg)

Intakte Moore dämpfen den Klimawandel. Sie nehmen z. B. CO2 aus der Luft auf und verwenden den Kohlenstoff zum Wachstum, bauen ihn also in die Moorpflanzen ein. Kohlenstoff, der auf diese Weise von Mooren „verschluckt“ wird, trägt nicht mehr zur Erderwärmung bei.

Das Erstaunliche: Beim Speichern von Treibhausgasen sind Moore die Weltmeister unter den Ökosystemen. Auf nur 3 % der Landfläche „bunkern“ sie weltweit rund 30 % des erdgebundenen Kohlenstoffs. Damit speichern Moore doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen (in Europa: fünfmal mehr CO2 als alle Wälder).

4Speicher mit Sprengkraft: Moore sind Klima-Zeitbomben

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Kiefer im Moor

Gleichzeitig sind Moore aber auch „Klima-Zeitbomben“. Denn werden sie funktionsuntüchtig (z. B. weil sie austrocknen), kehren sie den Spieß um: Geballt geben die Moore nun jene Treibhausgase ab, die sie über Jahrhunderte gespeichert haben.

Kämen zum Beispiel alle Kohlenstoffvorräte in österreichischen Mooren auf einmal frei, würde sich der Jahres-CO2-Ausstoß Österreichs schlagartig vervierfachen. Weltweit geben zerstörte Moore schon jetzt mehr CO2 ab als der gesamte Flugverkehr. Und einer neuen Studie zufolge könnte sich der Treibhausgas-Ausstoß aus Mooren bis zum Jahr 2100 noch verdreifachen.

Klimaschutz verlangt somit eine Moor-Doppelstrategie: Einerseits Erhalt intakter Moore (um kein CO2 freizusetzen), andererseits „Reparieren“ beeinträchtigter Moorflächen (um mehr CO2 speichern zu können).

5Hochwasserschutz: Moore haben Super-Saugkraft

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Moortümpel

Torfmoose können bis zum Dreißigfachen ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen, sie saugen sich voll wie ein Schwamm. Das erlaubt intakten Mooren, Niederschläge rasch und reichlich aufzunehmen. Im Anschluss geben sie das Wasser nur sehr langsam wieder ab. Somit können Moore Starkregen „abpuffern“ und Hochwasserspitzen dämpfen.

6Muss man mögen: Ein Lebensraum, der nicht jedem behagt

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Torfmoos

Warum können Torfmoose dermaßen effektiv Wasser speichern? Weil sie extreme Lebensräume bewohnen. In Hochmooren etwa beziehen Torfmoose das lebensnotwendige Wasser nur mehr über den Regen, nicht mehr aus dem Boden. Und auch die Nährstoffe kommen ausschließlich aus der Luft – in ziemlich homöopathischen Dosen.

Unter solchen Bedingungen können nur wenige Lebewesen überleben. Hochmoore beheimaten daher sehr wenige Pflanzen- und Tierarten. Aber die haben sich hervorragend an den unwirtlichen Wohnort angepasst. Oft kommen sie überhaupt nur mehr in Mooren vor. Mit dem Schwinden der Moore sind aber auch diese Pflanzen und Tiere gefährdet - etwa die Sibirische Schwertlilie, die Kreuzotter oder der Kleine Pirat.

7Nur für Hungerkünstler: Für Moore ist Dünger „Gift“

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Sonnentau

Zu Hause düngen wir Pflanzen, damit sie besser wachsen. Hochmoorpflanzen dagegen haben seit jeher gelernt, mit ganz wenig Nährstoffen auszukommen. Gelangt überschüssiger Dünger von landwirtschaftlichen Flächen in Gewässer oder in die Luft, kann er letztlich auch in Mooren landen. Und dieses Nährstoff-Plus behagt den empfindlichen „Hungerkünstlern“ unter Pflanzen und Tieren gar nicht: Sie verschwinden.

8Bulten und Schlenken: Auch Moore kennen Höhen und Tiefen

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Moor

Kleinräumig zeigt der Lebensraum Moor gravierende Unterschiede: In Senken, den sogenannten „Schlenken“, sammelt sich üppig Wasser. Gleich daneben ragen oft kleine Moos- oder Grashöcker aus dem Wasser. Diese trockenen Buckel nennt man „Bulten“. Was die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere betrifft, unterscheiden sich Bulten und Schlenken wie Tag und Nacht.

9Das Essiggurkerlprinzip: Wieso wächst der Moorkörper?

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Gestochener Torf

An vielen Stellen im Moor ist der Wasserstand ständig hoch. Das führt zu Sauerstoffmangel. Zudem ist das Moorwasser sehr sauer. Beides zusammen bewirkt, dass abgestorbene Pflanzen und Tiere im Moor nicht abgebaut, sondern konserviert werden. Ob Essiggurkerl, Pflanzenreste im Moor oder Moorleichen: Sauer macht also nicht nur lustig, sondern auch haltbar.

Und weil so wenig Biomasse abgebaut wird, wächst das Moor in die Höhe. Wenngleich nur im Schneckentempo, oft bloß einen Millimeter pro Jahr. Die Pflanzenreste, die sich aufeinander „stapeln“, bilden im Laufe der Zeit den sogenannten Torf. Der diente früher als Brennmaterial. Heute wird Torf mitunter noch Gartenerde beigemengt. Beide Nutzungsarten zerstören jedoch unweigerlich wertvolle Moore. Wer mit gutem Gewissen garteln will, schaut daher genau aufs Etikett und verwendet torffreie Gartenerde.

10Regeneration: Moore rappeln sich nur gaaanz langsam wieder auf

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Spundwand zum Wiedervernässen von Mooren

Sind Moore einmal kaputt, regenerieren sie sich höchstens ganz langsam wieder. Intakte Moore zu erhalten ist somit einfacher und sinnvoller als beeinträchtigte Moore nachträglich zu „reparieren“.

Und dennoch: Es gibt es gelungene Beispiele, wie geschädigte Moore wieder naturnäher werden können. Etliche davon auch in Österreich. Das Positive dabei: Viele der „Reparaturmaßnahmen“ sind einfach und kostengünstig. Oft hilft es schon viel, wenn ehemalige Entwässerungsgräben wieder verschlossen werden, z. B. mit Holzdämmen. Dadurch staut sich das Wasser, der Wasserspiegel im Moor steigt – und damit seine Funktionstüchtigkeit. Davon haben viele etwas: die Moorlebewesen, das Klima – und letztlich auch der Mensch.

Mehr zu Erhalt und Sanierung von Mooren erfährst du in dieser Broschüre >>

 

 

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