Der Wienerwald ist weit mehr als eine Ansammlung von 40 Millionen Bäumen. In seinen mächtigen Ur-Wäldern, in lauschigen Weingärten und
verborgenen Höhlen verbirgt der Hotspot der Artenvielfalt im Osten Österreichs so manch eine Überraschung:

Von einer 10.000 Jahre alten Bärin, hochprozentigen Raritäten, dunklen Geheimnissen und schillernden Paradiesvögeln – wir präsentieren dir 10 erstaunliche Fakten, die den Wienerwald zu dem machen, was er ist: Naturschönheit, Oase der Vielfalt und Genussregion im Wandel der Zeit.

1Hochprozentiges aus dem Wienerwald

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Elsbeere

Elsbeere, Adletzbeere oder Adlasbeere: Diese seltene Baumart hat viele Namen. Kein Wunder – bei einer über 200 Jahre andauernden Tradition um das edle Kernobst. Die Früchte der Elsbeere ergeben nämlich einen hervorragenden Schnaps. So holten sich einst die Bauern und Bäuerinnen Elsbeerbäumchen aus lichten Wäldern und Waldrändern, um sie in ihren Obstgärten anzupflanzen und zu veredeln.  
 
Der westliche Wienerwald in der Umgebung von Laaben, Brand, Kasten, Stössing und Michelbach war und ist das Elsbeerenzentrum. Bis heute wird hier der köstliche Elsbeerschnaps destilliert.

Was ihn so beliebt macht? Sein unverwechselbares Mandelaroma – und das, frei nach Tante Jolesch, nie genug von ihm da ist: Die Ernte ist nämlich nur alle vier Jahre ergiebig und diese ist auch sehr aufwendig. Kenner zahlen für die Rarität bis zu 300 € pro Liter. Aber auch das Holz der Elsbeere ist von bester Qualität und dient als edles Furnierholz und für Musikinstrumente. 

Der Elsbeerweg zur Gföhlberghütte arrangiert für Wanderer eine Audienz mit den freistehenden Elsbeeren.

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Das gleichnamige Artenschutzprojekt “Elsbeere” unterstützt vielfältige Kleinwälder im Wienerwald.

 

2Obst-Rarität: der fast vergessene Speierling 

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Speierling

„Wo der Speierling gedeiht, ist die Elsbeere nicht weit“,

heißt es im Volksmund. Die beiden Bäume sind nah verwandt und bevorzugen dieselben Plätze. Allerdings braucht der Speierling, auch Aschitzn oder Lohdiberl genannt, noch mehr Licht und Wärme. Er lässt sich Zeit beim Wachsen, weswegen er im Wald im Wettbewerb um Licht schnell überragt wird und mittlerweile als „stark gefährdet“ gilt. 

Er ist so selten, dass man sogar weiß, wie viele ausgewachsene Bäume es von ihm gibt: 500 sind es in Österreich, überwiegend verteilt auf Niederösterreich, Wien und das Burgenland. Seine akute Gefährdung hat ihm 2008 den Titel „Baum des Jahres“ in Österreich eingebracht. Die frei stehenden Speierlinge im Wienerwald gelten alle als überaltert und kaum ein Wienerwaldwanderer erkennt ihn noch. 

Dabei steht der aus seinen Früchten gewonnene Schnaps jenem der Elsbeere um nichts nach. Die Früchte selbst, die wie kleine Äpfel oder Birnen aussehen, schmecken nach kurzer Lagerung angenehm herb und dienten in trübem Most als Klärungsmittel. Das harte Holz des Speierlings ist ein beliebtes Furnierholz und eignet sich gut zum Drechseln von stark beanspruchten Teilen wie zum Beispiel Radnarben oder Spindeln von Weinpressen. Apropos Wein... 

3Weingärten im Wienerwald: Edle Tropfen und ein Pfirsich

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Weingarten Thermenregion

Der Wienerwald ist mehr als „nur“ Wald. Er ist vielmehr ein Mosaik aus Wäldern, Wiesen, Obstgärten, Weiden, Äckern, Siedlungen – und Weingärten. Die Weinreben im Spalier verleihen der Region optisch einen besonderen Reiz. Und auch der Geschmackssinn wird verwöhnt: Bei den Weinwanderungen kommen Wein-Enthusiasten und Naturliebhaber gleichermaßen zu ihrem Genuss. Die besten nachhaltigen Weine aus dem Wienerwald werden übrigens jährlich vom Biosphärenpark Wienerwald beim Wettbewerb “DER WEIN” prämiert. 

Das Landschaftsidyll der Weinreben bietet nicht nur dem Menschen eine erholsame Stadtflucht: Mit ihren knorrigen Obstbäumen, dichten Hecken, sonnenbeschienenen Steinmauern und blütenreichen Feldrainen ist es ein Refugium für viele gefährdete Tiere und Pflanzen: vom Grünspecht bis zur Heidelerche, von der Smaragdeidechse bis zur Äskulapnatter, vom Acker-Gelbstern bis zum Osterluzeifalter

Und mittendrin: der Weingartenpfirsich. Diese wärmeliebende Obstart wird bis heute auch über Samen und nicht nur über Veredeln vermehrt. Sie wird traditionell seit über 200 Jahren in Weingärten gepflanzt. Ihnen gebührt ein Fixplatz im nachhaltigen Weingarten, da sie die Biodiversität fördern, das Ökosystem harmonisieren und zu gesünderen Trauben beitragen.  

4Der Wald-Mix macht den Wienerwald – und einen Superlativ

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Wienerwald

Ein Wald aus vielen: Der Wienerwald ist das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Mitteleuropas und besteht aus 33 verschiedenen Waldtypen. 

Mächtige Eichen-Hainbuchenwälder sind wahre Hotspots der Artenvielfalt, knorrige Flaumeichenwälder beherbergen anspruchsvolle Tiere wie die Smaragdeidechse, verwunschene Schwarzföhrenwälder klammern sich an karge Felswände, Eschenwälder krönen die „Gipfel“ der Wienerwald-„Berge“ (stolze 893 Metern machen den Schöpfl zur höchsten Erhebung im Wienerwald) und Ahorn-Lindenwälder versammeln unterschiedliche Straucharten.

Der größte Buchenwald Mitteleuropas gedeiht im Wienerwald. Mit 60 % beansprucht die mächtige Rotbuche die meiste Fläche des Waldes. Nicht umsonst wird dieser Alleskönner unter den Bäumen auch als „Mutter des Waldes“ bezeichnet. Das Buchenholz ist dank seiner Vielseitigkeit Rohstoff für viele Produkte. So kann es durchaus sein, dass du ein Stückchen Wienerwald in Form eines Möbels oder Parkettbodens bei dir zu Hause hast. 
 
Anders als bei einem Nationalpark ist die wirtschaftliche Nutzung eines von der UNESCO definierten Biosphärenparks nicht ausgeschlossen: Forstwirtschaft ist außerhalb der Gebiete, die vom Menschen unbeeinflusst bleiben, erlaubt. 
 

5Ein "Ur-Wald" vor den Toren einer Metropole

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Exkursion

Einmal tieeef durchatmen bitte: Ein „Ur-Wald“ liegt in Wien vor der Haustüre und bereichert die „Grüne Lunge“ der Stadt. Ein Urwald in einer Millionenstadt? Das ist einzigartig in Europa! 

Der Biosphärenpark Wienerwald erstreckt sich unter anderem über 51 Niederösterreichische Gemeinden und 7 Wiener Gemeindebezirke und wird damit von rund 855.000 Menschen bewohnt. Für sie und die Bevölkerung des gesamten Wiener Ballungsraums ist die positive Wirkung des Waldes auf Klima, Luft und Wasserhaushalt unverzichtbar. 

Der Wienerwald ist mal mehr und mal weniger naturbelassen – manche Areale sind durch Stadtwanderwege und Pfade gut erschlossen, andere dienen der Forstwirtschaft – wieder andere sind richtige Ur-Wälder. Wohl behütet darf in den insgesamt 37 Kernzonen mit einer Fläche von 5.000 Hektar die Natur wuchern, wie sie will.

Einem Urwald beim Wachsen zusehen? Dieses Naturerlebnis bieten die Wiener Forstbetriebe. 

6Der Held vom Wienerwald

Es war schon fast beschlossene Sache: Knapp ein Viertel des Wienerwaldes sollte im späten 19. Jahrhundert an Holzhändler verkauft und geschlägert werden. Der engagierte Journalist Josef Schöffel konnte dies 1872 dank hartnäckiger Berichterstattung gerade noch verhindern und gilt seitdem als Retter des Wienerwaldes. Wenn auch du ein Stückchen Natur „retten“ willst: Die Österreichische Bundesforste AG wollen bald einzigartige Stücke des Wienerwaldes zur Pacht anbieten. 
 

7Dunkle Geheimnisse unterhalb des Wienerwaldes

Du kennst den Wienerwald wie deine Westentasche? Dann ab in den Untergrund. Unter der Region verbirgt sich nämlich so manch dunkle Höhle – mit einer ebenso dunklen Geschichte. In der heutigen Seegrotte bei Hinterbrühl begann man 1848 mit dem Bergbau, der nach einem gigantischen Wassereinbruch 1912 eingestellt wurde. 

Während des Zweiten Weltkriegs entdeckte die Rüstungsindustrie das riesige Areal – es wurde beschlagnahmt, die rund 20 Millionen Liter Wasser ausgepumpt und eine unterirdische Flugzeugfabrik eingerichtet. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Friedlich schaukeln die Boote über den größten unterirdischen See Europas.

Auch in Alland gibt es eine Höhle zu erkunden. Von allen Wienerwald-Höhlen wartet sie mit dem meisten Tropfsteinschmuck auf. Außerdem sind hier Wasserschlote, Laugungsnischen, Perlsinter, Bergmilch und Deckenzapfen zu entdecken. Und als Draufgabe ruht nebenan das Skelett einer 10.000 Jahre alten Bärin.
 

8Hotspots der Biodiversität: die Wienerwald-Wiesen und -Weiden 

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Adonisröschen

Sie gehören zu den artenreichsten und für den Naturschutz bedeutendsten Lebensräumen in Österreich: die Wiesen und Weiden des Wienerwaldes. Bis zu 500 verschiedene Pflanzenarten haben ihre Wurzeln in der Region geschlagen, darunter seltene und bedrohte Arten der Roten Liste. 

Wer einmal die auffallende Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), das strahlend gelbe Adonisröschen (Adonis vernalis), das sonnenliebende Federgras (Stipa pennata), den Pannonischen Milchstern (Ornithogalum pannonicum), die Kuhschelle (Pulsatilla grandis) oder prächtige Orchideen sowie eine Vielzahl an Schmetterlingen beobachten möchte, kann u.a. das Angebot des Landschaftspflegevereins nützen.

Das Mosaik aus fetten, sauren und mageren Wiesen ist keine Selbstverständlichkeit. Diese Kulturlandschaften wollen durch Menschenhand gehegt und gepflegt werden. Und zwar nicht indem viel gedüngt und gemäht wird, sondern indem umsichtig bewirtschaftet wird, um damit die Artenvielfalt zu erhalten. Würden die Menschen nicht mehr eingreifen, müssten die Blumenwiesen dem Wald weichen. 

9Sprudelnde Heilquellen im Wienerwald

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Thermalbad Bad Vöslau

Es plätschert, gluckst und dampft: Auch das Element Wasser gibt sich im Wienerwald die Ehre. Und nicht nur in Form eines “normalen” Gewässers. Nein. In der Thermenregion fließen wohltuende Heilquellen!

In der Römertherme Baden tauchst du im k.u.k. Ambiente in alte Zeiten – jedoch in quellfrischem Heilwasser – ab. Im kaiserlichen Thermalbad Bad Vöslau – im selben Ort, in dem eine regional starke Allianz für die Artenvielfalt ratifiziert wurde – werden die Gäste bei einem Bad mit reinem Mineralwasser verwöhnt. Das Thermalbad mündet in den Hansybach, der wegen dreier seltener Thermal-Quellschnecken-Arten sogar zum Naturdenkmal erklärt wurde. Die endemische Thermen-Zwergquellschnecke kommt weltweit nur hier vor!

Am Fluss Schwechat und seinen Auen im Helenental erspähen Naturverliebte mit etwas Glück den schillernden Eisvogel oder die Wasseramsel – dem einzigen Wasservogel unter den Singvögeln. 

10Wienerwald Prominenz

Auch für die Prominenz war der Wienerwald immer schon Zuflucht- und Sehnsuchtsort. So begab sich etwa Kaiserin Sissi im Jahr 1882 zur Ursprungsquelle des Wienflusses nach Pressbaum. Das Wasser schmeckte ihr so gut, dass sie es sogar für ihren Kaffee nach Schönbrunn bringen ließ – seitdem ist die Quelle als „Kaiserbründl“ bekannt. 

Beim Beethoven-Wanderweg um Baden begibt man sich auf die Spuren des Klassik-Virtuosen Ludwig Van Beethoven und Kaiser Franz I.

Ferdinand Raimund, Johann Nestroy, Katharina Schratt oder Max Reinhardt verbrachten gleich einige Jahre im Wienerwald. Sein berühmtes Lied vom Lindenbaum widmete Franz Schubert angeblich der knorrigen Linde vor der Höldrichsmühle in Hinterbrühl und Egon Schiele kam nach Neulengbach, um

„für immer hier zu bleiben“.
 

Der Biosphärenpark Wienerwald in Zahlen und Fakten
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Biosphärenpark im Wienerwald: Eine Initiative der Länder Niederösterreich und Wien
51 Niederösterreichische Gemeinden und sieben Wiener Gemeindebezirke
Fläche: 105.645 Hektar - das sind rund 110.000 Fußballfelder
BewohnerInnen: ca. 855.000 Menschen
Zweitwohnsitze: ca. 50.000
Klima: Subkontinentale kalte Winter und trocken-heiße Sommer
Vegetation: mehr als 30 Waldtypen, dominierend sind Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder, 23 Wiesentypen
Flora: über 2.000 Pflanzenarten
Vögel: ca. 150 Brutvogelarten
16 Naturschutzgebiete
4 Naturparke
 

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